Twin Peaks

Twin Peaks

Als ich 11 Jahre alt war, schaute ziemlich viel fern. Ich verbrachte damals ziemlich viel Zeit bei meinen Großeltern und die hatten im Gegensatz zu meinen Eltern Kabelfernsehen. Man schrieb damals das Jahr 1991 und im Herbst lief in Deutschland eine Serie an, die vieles für immer verändern sollte: Twin Peaks. RTL Plus strahle die Episoden (zu denen man in den Neunzigern noch Folgen sagte) damals freitagabends aus. 

Das führte dazu, dass ich sie nie sehen konnte, weil ich am Freitagabend bei meinen Eltern war. Aber ich habe mir damals mit großer Faszination die Teaser (man sagte da schlicht Vorschau) angesehen. Ich kann heute nicht mehr sagen, warum mich das damals fasziniert hat. Aber irgendwas hat damals mein Interesse geweckt.

Ein paar Jahre später habe ich mir dann die Wiederholung von Twin Peaks auf RTL 2 angeschaut. Was war das für eine Serie! Ich verstand damals zwar gefühlt nur die Hälfte, aber ich verliebte mich auf den ersten Blick. Der Look, die Charaktere, die Musik! Das war für mich ein völlig neues Fernsehen (und ich hatte zu dem Zeitpunkt schon wirklich sehr viel gesehen). In den Jahren danach lernte ich das restliche Werk von David Lynch kennen und lieben. Und natürlich sah ich mir Twin Peaks noch das ein oder andere Mal an.

Mit großem Interesse verfolgte ich damals auch die Produktion der lange erwarteten dritten Staffel. Die 18 neuen Folgen, die die Geschichte nach einem viertel Jahrhundert weitererzählen, waren ein echter Lynch und spalteten das Publikum. Mir gefiel die Fortsetzung sehr gut und plötzlich war es wieder da, das Twin Peaks Fieber. Und so geschah es, dass mich meine Urlaubsplanung in diesem Jahr zufällig nach Seattle führe. Rund 30 Autominuten von Seattle entfernt liegen Snoqualmie, Fall City und North Bend, drei der Drehorte von Twin Peaks. Es war an der Zeit, sich mal wieder einen Lebenstraum zu erfüllen.

Nach einer Akklimatisierung und einigen Tagen in Seattle ging es mit dem Mietwagen nach Snoqualmie. Sobald man das Stadtgebiet hinter sich gelassen hat, findet man sich in der überwältigenden Natur von Washington wieder. Es wird schnell klar, warum dieser Bundesstaat den Namen Evergreen State trägt. 

Mein erster Halt waren die Snoqualmie Falls und die Sailish Lodge, die man als Great Northern kennt. Das endlich nach so vielen Jahren ein echt zu sehen war schon etwas ganz Besonderes. Ein kleiner Trail führt hinab ins Tal, von wo man den Wasserfall nochmal aus einer anderen Perspektive betrachten kann. Ich schaute mir danach natürlich noch das Great Northern, ähm die Sailish Lodge an. Für die Serie wurden damals allerdings nur die Außenaufnahmen hier gemacht. Für die markanten Szenen im Inneren des Hotels wurde damals auf die Kina Lodge im Westen von Seattle zurückgegriffen. Allerdings finden sich im Shop der Sailish Logde auch einiges an Twin Peaks Merch.

Meine nächste Etappe führe mich ins nur wenige Kilometer entfernte North Bend. Nachdem ich vor Ort in einem schönen Motel ein Zimmer für zwei Nächte bekommen konnte, musste ich mich erstmal stärken. Was lag da näher, als einfach über die Straße in Twede’s Cafe zu gehen? Der Twin Peaks Fan kennt diesen Laden natürlich als RR Diner. Obwohl ich nach einem Burger mit Fries schon ziemlich satt war, musste natürlich noch ein Kirschkuchen mit einem verdammt guten Kaffee sein. Das Cafe sieht noch genau so aus, wie man es aus der Serie kennt. Nach den Dreharbeiten in den Neunzigen gab es aber zunächst einige größere Umbauten, die durch ein Feuer in den 200ern erforderlich waren. Als dann absehbar wurde, dass es eine dritte Staffel von Twin Peaks geben würde, hat man das Cafe abermals umgebaut und wieder in den Ursprungszustand zurückversetzt. Und genau so sieht es heute noch immer aus. Lediglich das RR Schild fehlt vor dem Laden. Das Essen war gut, der Kuchen phantastisch und das Gefühl hier zu sitzen eigentlich nicht zu beschreiben. 

Nach einer Nacht mit sehr tiefem Schlaf (was eventuell mit den 3000 kcal vom Abendessen bei Twede’s zusammenhing) ging es am zweiten Tag meiner Tour erstmal nach Snoqualmie. Ein kleiner Spaziergang durch den historischen Stadtkern und ein guter Kaffee mit einem Stück frischem Walnusskuchen waren ideal, um richtig in den Tag zu starten. Danach machte ich mich zu Fuß zum Giant Log auf. Dabei handelt es sich, wie der Name bereits vermuten lässt, um ein gewaltiges, rund 400 Jahre altes Holzscheit einer Douglaskiefer. Weil es in der Vergangenheit leider viel Vandalismus gab, ist das gute Stück mittlerweile eingezäunt. Man sieht das Giant Log im Intro von Twin Peaks.

Weiter ging es dann zur Reinig Bridge, die man auch als Ronette’s Bridge kennt. In der Serie irrt die schwer verletzte Ronette Pulanski über diese Brücke. Damals führten noch Gleise darüber. Mittlerweile wurden diese aber entfernt und die Brücke wird nur noch für Fußgänger verwendet.

Danach machte ich noch einen kleinen Abstecher zur Highschool, die momentan aber umgebaut wird. Auf den ersten Blick hätte ich sie nicht mehr erkannt.

Sightseeing macht hungrig. Was lag da näher, als für ein Mittagessen im Roadhouse einzukehren. Die bekannte Location aus der Serie heißt tatsächlich so und ist ein Restaurant und Hotel im kleinen Ort Fall City, auch nur wenige Kilometer von Snoqualmie entfernt. Ähnlich wie beim Great Northern wurde hier für Innenaufnahmen auf eine andere Location zurückgegriffen. Der Besuch war dennoch sehr schön und das Essen köstlich.

So gestärkt ging es weiter zur Dirtfish Rally School, die als Kulisse für das Sherrif Department diente. Als ich vom Highway abbog und dem kleinen Abzweig zu meinem Ziel folgte, wunderte ich mich schon über die laute Musik, die ich plötzlich vernahm. Kurz darauf sah ich dann auch den Anlass. Anscheinend hatte ich genau den Tag erwischt, an dem die Rally Schule eine große Party feierte. Eine kurze Nachfrage bestätigte dies. Man feierte gerade sein Sommerfest mit Musik, Barbecue und natürlich ganz viel Motorsport. Als ich dann erklärte, dass ich ein Twin Peaks Fan bin und mir gerne mal das Gelände ansehen würde, lud man mich direkt ein und wünschte mir viel Spaß.

Das Revier von Sheriff Truman hätte ich auf den ersten Blick nicht erkannt. Aber auf den zweiten Blick wirkt das markante Gebäude dann schon markant. Innen findet man sich auch gleich zurecht, denn die Innenaufnahmen wurden damals auch hier im Gebäude gedreht. Ein kleines Schmankerl fand ich dann noch auf dem Parkplatz in Gestalt des echten Ford Bronco von Sheriff Truman. Der Wagen gehört dem Besitzer von Dirtfish. Unweit entfernt finden sich dir Überreste des Packard Sägewerks. Das ganze Gelände gehörte früher dem Weyerhaeuser Konzern, der dort ein großes Sägewerk betrieb.

Auf dem Rückweg zum Sunset Motel in North Bend hielt ich noch an der Stelle an, an der früher das Ortsschild von Twin Peaks stand und genoss einige Momente diesen ikonischen Blick.

Für mich ging mit dieser Reise wirklich ein Traum in Erfüllung, ähnlich wie damals, als ich das Kennedy Space Center besucht habe. Ich kann jedem Twin Peaks Fan einen Besuch im echten Twin Peaks ans Herz legen, wenn es möglich ist. Neben den Sehenswürdigkeiten ist die Gegend ziemlich schön und toll zum Spazieren oder Wandern.