Kurzurlaub in Barcelona

Auf und davon

Dieses Jahr war urlaubstechnisch nicht so durchplant, wie es die letzten beiden waren. Jobwechsel bei meiner Frau und mir machten eine langfristige Planung auch schlichtweg nicht möglich. Einen zumindest kurzen Tapetenwechsel hatten wir aber die gesamte Zeit im Hinterkopf. Als sich dann im August kurzfristig ein passendes Zeitfenster öffnete, mussten wir schnell entscheiden, wohin es denn gehen soll.

Die erste Idee war ein Campingtrip in Südfrankreich. Eine kurze Recherche ergab aber, dass dort die meisten Campingplätze überfüllt sind. Auf gut Glück hinzufahren und dann womöglich ewig zu suchen oder nur einen letzten Platz direkt neben den Toiletten zu ergattern, klang bei näherer Betrachtung genauso wenig attraktiv wie die lange Autofahrt. Es musste also eine Alternative her. Unsere Wahl fiel auf eine Woche Barcelona, die wir bei L’Tour inklusive Flug, Hotel und ICE Ticket zum Flughafen für rund 500 Euro pro Person abgreifen konnten. Da kann man nicht meckern.

Barcelona ist eine großartige Stadt und ich verbinde viele schöne Erinnerungen damit. Vor zehn Jahren verbrachte ich dort vier Wochen im Rahmen der CVA Summer School und rückblickend war das wohl einer der besten Monate in meinem Leben. In der Zeit danach besuchte ich Barcelona noch zwei weitere Male. Einmal sechs Jahre später für einen einwöchigen Urlaub, weil ich einfach in diese Stadt zurückkehren wollte. Im vergangenen Jahr wurde ich dann für meinen Junggesellenabschied erneut nach Barcelona entführt. Habe ich schon erwähnt, dass diese Stadt etwas ganz Besonderes ist?

Sightseeing

In großen Städten einfach nur zu spazieren ist ja im Prinzip schon Sightseeing. Das gilt für Barcelona genau wie für viele andere Großstädte. Nachfolgend eine Liste von Orten, die wir besucht haben und deren Besuch wir unbedingt weiterempfehlen können

La Rambla

Die La Rambla ist eine rund einen Kilometer lange Promenade, die vom Plaça de Catalunya bis zur Kolumbussäule am  Hafen  führt. Am frühen Morgen kann man hier noch entspannt flanieren, aber je später es wird, desto mehr Menschen tummeln sich hier. Gesäumt wird die La Rambla von unzähligen Verkaufsständen für alle möglichen Waren. Von den klassischen Souvenirs über Blumen bis hin zu verschiedenen Leckereien. Außerdem gibt es hier auch zahlreiche Straßenhändler, die Plagiate von Handtaschen und Schuhen verkaufen… und immer ganz schnell verschwinden, wenn die Polizei in der Nähe ist. Vor zehn Jahren gab es hier auch immer wieder Hütchenspieler, die naiven Touristen das Geld aus der Tasche zogen. Diesmal habe ich aber keine gesehen. Vielleicht lässt sich heute mit gefälschten Louis Vuitton Taschen leichteres Geld verdienen. Apropos Taschen: Auf seine eigenen (Hosen-) Taschen und deren Inhalt sollte man hier sehr gut aufpassen. Barcelona und vor allem die überfüllte La Rambla ist ein beliebter Spot für Taschendiebe.

Barri Gòtic – Das gotische Viertel

Nördlich von der La Rambla erstreckt sich das gotische Viertel, das eigentlich zweimal einen Besuch verdient hat – einmal am Tag und einmal am Abend. Enge Gassen und zahlreiche kleine Geschäfte prägen neben den historischen Bauwerken das Bild, das sich einem hier bietet.

La Catedral

Im gotischen Viertel befindet sich die Kathedrale von Barcelona. Ein wunderschönes Bauwerk, dessen Besuch sich auf jeden Fall lohnt. Nicht nur wegen der dreizehn Gänse, die man im Kreuzgang finden kann. Zwischen 13 und 17 Uhr kostet die Besichtigung 6 Euro Eintritt, die sich lohnen. Kommt man außerhalb dieser Zeit, ist der Eintritt frei (allerdings ist dann auch meist mehr los). Der Besuch des Dachs (mit dem Aufzug, toller Ausblick) sowie des Chors kostet dann allerdings etwas. Ich empfehle, die Kathedrale am Nachmittag zu besuchen und die 6 Euro zu bezahlen. Dann ist es nicht so extrem voll und in den 6 Euro ist alles dabei.

Sagrada Família

Muss man zur Sagrada Familia etwas sagen? Das unvollendete Meisterwerk von Ausnahmekünstler Gaudí ist das Wahrzeichen der Stadt. Ich liebe die Kunst von Gaudí, die in Barcelona omnipräsent ist. Egal, ob es nun von ihm gestaltete Gebäude wie die Casa Milà oder die an seinen Stil angelehnten Souvenirs sind, die man überall findet. Aber nirgends begegnet man Gaudí so konzentriert wie in der Sagrada Família. Dazu kommt noch die Tatsache, dass die Basilika noch immer im Bau ist.

Als ich hier vor 10 Jahren zum ersten Mal war, war der Innenraum der Basilika noch nicht fertiggestellt und alles sah irgendwie noch aus wie auf einer Baustelle, auf der überall Baumaterial herumlag.

Tipp: Man kann sich im Vorfeld seine Tickets online kaufen und so den Stress vermeiden, sich mitunter lange anstellen zu müssen. Außerdem kann man sich online auch direkt ein Ticket für den Besuch der Türme buchen und so sicherstellen, dass man auch eines bekommt (begrenztes Kontingent). Die Tickets muss man übrigens nicht ausdrucken. Vorzeigen auf dem Handy/Tablet reicht aus.

Park Güell

Neben der Sagrada Família das andere große Meisterwerk von Gaudí. Ursprünglich sollte der Park Güell ein neuer Stadtteil werden, der einer Englischen Gartenstadt nachempfunden werden sollte. Gaudí entwarf alles als Auftragsarbeit für den Industriellen Eusebi Güell. Das Projekt scheiterte und einige Jahre später schenkte Güell das Gelände der Stadt. Heute ist der Park Güell ein beliebtes Ausflugsziel, dass durch die Farb- und Formsprache von Gaudí zu begeistern weiß. Für den Besuch des zentralen Teils des Parks benötigt man seit einer Zeit ebenfalls ein Ticket, dass man am besten im Vorfeld online kauft. Ein Ausdrucken ist hier ebenfalls nicht notwendig.

Aquarium

Das Aquarium von Barcelona gehört zu den größten Aquarien Europas und bietet neben zahlreichen kleinen und mittleren Meeresbewohnern vor allem eines: richtig große Tiere. Die schwimmen in einem Becken mit rund 6 Millionen Litern Wasser. Das Besondere daran: Durch dieses Becken führt ein insgesamt 80 meter langer Tunnel, durch den der Weg für die Besucher führt. Das ist wirklich ein Erlebnis.

CosmoCaixa

Das CosmoCaixa ist ein Wissenschaftsmuseum, das von einer Bank (La Caixa), bzw. deren Stiftung für 100 Millionen Euro gebaut wurde. Und das sieht man auch. Das Museum lädt mit vielen Exponaten zum Anfassen und Ausprobieren ein. Neben dem technischen Teil schließt sich noch ein kleiner Regenwald an, in dem zahlreiche Tiere und Pflanzen zu bestaunen sind. Für Kinder und alle Erwachsenen, die gerne staunen, kann ich das CosmoCaixa wärmstens empfehlen.

Stadtrundfahrt

Klingt nach dem absoluten Touri-Ding, ist aber echt empfehlenswert. In Barcelona gibt es wie in so vielen Städten eine Hopp-on/Hopp-off Bustour. Auf insgesamt drei verschiedenen Linien werden so ziemlich alle interessanten Punkte der Stadt abgefahren. Wie es der Name schon impliziert, kann man an jedem Halt aussteigen und die Gegend auf eigene Faust erkunden. Zusätzlich gibt es an Bord einen Audioguide in einer Menge Sprachen. Ich habe diese Tour mehr als einmal gemacht und finde sie echt gut, vor allem wenn man sich nach einigen Tagen Sightseeing zu Fuß auch einfach mal mit Impressionen berieseln lassen will. Profi-Tipp: Sonnencreme und einen Hut nicht vergessen. Die Busse sind oben ohne, haben also kein Dach. Das gibt eine tolle Sicht, schützt aber nicht vor der Sonne. Der Fahrtwind verschafft einem allerdings die Illusion, dass es gar nicht so warm ist… was zu einem fiesen und unerwarteten Sonnenbrand führen kann.

Gaumenfreuden

Liebe geht durch den Magen und wenn man in einer Woche gut 120 Kilometer zu Fuß geht, regt das neben der frischen Brise am Strand unheimlich den Magen an. Wie so oft haben wir uns über Foursquare, Tripadvisor & Co vor Ort interessante Restaurants gesucht und auch einige Perlen entdeckt, die wir gerne weiterempfehlen können.

Cat Bar Richtig leckere vegane Burger und über zehn Sorten Craft Beer, teilweise frisch vom Fass.

Za’atar Vegetariano Ein  Israelisches Bio-Restaurant mit vielen Köstlichkeiten. Eine schöne Abwechslung zu den üblichen vegetarischen Sachen.

Gopal Ein kleiner Laden, der eine gute Auswahl an veganen Burgern, Sandwiches und Kuchen bereithält. Hat sehr lecker geschmeckt.

Espai Mescladís In einem Hinterhof versteckt sich hier ein wirkliches Kleinod. Ungezwungen und alternativ wären wohl passende Attribute für den ersten und auch zweiten Eindruck. Eine kleine, aber feine Karte offeriert einfache Speisen, die uns hervorragend geschmeckt haben. Genau wie die verschiednen Sorten Craft Beer und der Sangria. Das Mescladís im Namen verweist übrigens auf eine Non Profit Organisation, die sich für die Integration von Einwanderern einsetzt.

Rasoterra Ein vegetarisches Slow Food Restaurant, dass wirklich eine hervorragende Küche hat. Es wirkt ein wenig gehobener, empfängt einen aber mit einem sehr entspannten Ambiente.

Vegetalia Im Gotischen Viertel gelegen bietet das Restaurant Vegetalia eine schöne Auswahl an leckeren Speisen. Trotz der sehr guten Lage waren die Preise völlig okay.

Rubi Bar Hier gibt es über 50 Sorten Gin. Das und die stimmungsvolle Atmosphäre sollten als Grund für einen Besuch reichen, oder?

Fazit

Barcelona ist für mich die schönste und interessanteste Stadt Europas. Das hat sich in dieser Woche mal wieder bestätigt. Ich kann jedem einen Urlaub empfehlen, egal ob es nun drei Tage oder zwei Wochen sind. Die Stadt ist so vielfältig und abwechslungsreich, dass es nicht langweilig wird. Ich war sicher nicht zum letzten Mal hier.