Laut nachgedacht: Backups für digitale Fotos

In den letzten Jahren haben sich rund 50 GB an digitalen Fotos bei mir angesammelt. Wer schon einmal durch einen technischen Defekt oder eine Unachtsamkeit Daten verloren hat, der macht sich Gedanken über Backups. Mir ist das in den Anfangsjahren meiner Internetkarriere passiert. Damals wusste ich es nicht besser und setzte bei meinem Emailkonto auf POP3 ohne eine Kopie der abgerufenen Mails auf dem Server zu belassen. Zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass es damals bei den meisten Freemailern nur sehr kleine Postfächer gab und daher IMAP bzw. kein Löschen der Mails bei POP3 keine wirkliche Option dargestellt hätte. Ein Backup der lokal gespeicherten Mails wäre eine Option gewesen – daran dachte ich aber nicht. Backups? Das war doch nur was für Firmen. Mit Magnetbändern und so.

Eines Tages schmierte mir dann aber Windows so richtig fies ab. Mein erster richtig schöner Bluescreen, der sich auch durch einen Neustart nicht beheben lies. Mangels Smartphone konnte ich aber nicht im Internet nach einer Lösung suchen. Also half nur der Klassiker: alles neu installieren. Und genau zwischen dieser Entscheidung und der Neuinstallation inklusive der Formatierung der Festplatte (satte 512 MB) verstrich die letzte Möglichkeit, meine Mails zu retten. Bitter. Ich war damals so verzweifelt, dass ich sogar mit unformat mein Glück versuchte (he, damals war ich natürlich noch nicht annähernd so ein öhm Experte wie ich es heute bin).

Diese unwiderruflich verlorenen Mails waren mein Lehrgeld in Sachen Backup. Ich schwor mir damals, dass ich niemals wieder auch nur ein einziges Bit an wichtigen Daten durch einen technischen oder menschlichen Fehler verlieren würde! (Den letzten Satz bitte mit der Stimme von Bruce Willis denken. Danke.) In der Praxis sieht das heute so aus, dass ich wichtige Daten entweder in der (Dropbox-) Cloud oder auf diversen externen Festplatten speichere. Für meinen größten und wertvollsten digitalen Schatz (die angesprochenen 50 GB Fotos) habe ich aus einem Rasperry Pi und zwei externen Festplatten ein NAS mit „pseudo-Raid“ gebastelt. Kein Performancemonster, aber für meinen Zweck ausreichend. Dadurch habe ich von jedem Foto drei Kopien: eine auf meinem Laptop und zwei auf den NAS. Das ist gefühlt schon ganz schon sicher. Aber leider bringt mir das nichts, wenn irgendeine Naturkatastrophe meine Wohnung demoliert oder mein Nachbar umfangreiche Forschungen mit Elektromagneten durchführt.

Ich möchte mein NAS daher um eine Synchronisation mit einem Cloudspeicher erweitern. Bei der Wahl eines passenden Dienstleisters standen für mich drei Kriterien im Fokus: Preis, Verfügbarkeit und eine Schnittstelle, die ich durch die Linux Shell ansprechen kann. Mit Verfügbarkeit meine ich neben der Uptime vor allem auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Dienst lange am Markt verfügbar ist. Einen etablierten Anbieter würde ich daher auch bei einem höheren Preis bevorzugen. Sonstige Besonderheiten wie z.B. eine automatische Verschlüsselung ist für mich nebensächlich, da ich meine Daten auch schon vor dem Upload selbst verschlüsseln kann.

Da ich bereits seit langer Zeit meine Blogs automatisiert beim Simple Storage Service (S3) von Amazon sichere, lag der Gedanke nah, meine Fotos einfach auf S3 zu sichern. Leider ist das bei momentan 50 GB nicht die billigste Variante. Dann fiel mir aber der Amazon Service Glacier ins Auge. Ein Cloudspeicher, der für Langzeitbackups gedacht ist. In der Praxis sieht das so aus, das die dort gespeicherten Daten bei Bedarf nicht sofort zur Verfügung stehen, sondern erst bei Amazon angefordert werden müssen. Dann muss man in der Regel 4-5 Stunden warten, bis die Daten abrufbar sind. Hinter den Kulissen ist das wahrscheinlich die Zeit, die der Amazon Admin benötigt, um das richtige Magnetband zu suchen.

Eine weitere Besonderheit sind die Kosten: während die Preise für das eigentliche Lagern der Daten mit 0,01$/GB sehr gering sind, kostet der Download eine extra Gebühr, sofern man in einem Monat mehr als 5% der gespeicherten Daten abrufen möchte. Da ich aber bitte niemals ein Backup brauchen möchte, ist diese Preisstruktur für meinen Anwendungsfall ideal. Denn wenn alle drei lokalen Backups versagen, dann kümmern mich die paar Dollar für die Wiederbeschaffung der Bilder auch nicht wirklich. Schön finde ich es aber, wenn ich für vielleicht 2$ im Monat ein zuverlässiges Backup bei einem etablieren Anbieter habe. Auch wenn das jetzt sehr Amazon-lastig aussieht habe ich mir eine ganze Reihe anderer Anbieter angeschaut. Unter dem Strich hat mir Glacier aber am besten zugesagt.

Für Glacier gibt es ein Python SDK und mit Google findet man einige Leute, die damit bereits Backup Skripte gebastelt haben. Das sieht spannend aus und nach meinem Urlaub werde ich mir das mal genauer ansehen und ein für meine Zwecke passendes Skript basteln. Das Resultat gibt es dann in ein paar Wochen an dieser Stelle. Denn Backups sind wichtig. Ich habe das so gelernt. Und jetzt muss ich erstmal meine kleine externe Festplatte suchen, damit mich mein Mac nicht länger mit dieser „letztes Time Machine Backup vor 45 Tagen“ Meldung nervt.

PS: Macht unbedingt Backups von euren Daten. Wenn euch Begriffe wie NAS oder Cloud nichts sagen oder verwirren, dann kauft einfach eine externe Festplatte und macht darauf eine Kopie eurer Fotos und sonstigen wichtigen Sachen. Ja, auch die mühsam mit Word gelayoutete Geburtstagszeitung von Onkel Franz sollte gesichert werden. Denn die goldene Regel aller Backups ist: Ein Backup ist besser als keines.