Gute Vorsätze fürs neue Jahr

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Höchste Zeit, sich seine guten Vorsätze für das neue Jahr zu überlegen. Es ist ja schon irgendwie Tradition, das man pünktlich zum Jahreswechsel seine schlechten Gewohnheiten ablegen und lauter tolle neue Sachen anfangen möchte. Ich weiß, wovon ich spreche, denn über viele Jahre hinweg habe ich mir immer wieder einige schöne Dinge für das neue Jahr vorgenommen. Darunter natürlich auch die Klassiker wie mit dem Rauchen aufhören, abnehmen, mehr Sport treiben und gesünder essen. Geklappt hat das leider nie. Oder zumindest nie länger als wenige Tage.

Dabei lag es nie an meiner Vorbereitung! Schon lange vor dem Stichtag am Jahresende schrieb ich mir die einleitenden Rituale für meine Top Vorsätze ordentlich in den Kalender:

31. Dezember, 23:55:

  • letzte Zigarette rauchen
  • letzten Burger mit Pommes und extra viel Majo essen
  • letztes mal faul auf der Couch liegen und Fernsehen

Bei einer steigenden Anzahl von guten Vorsätzen leidet wahrscheinlich die Übersichtlichkeit ein wenig. Wahrscheinlich lässt sich das Procedere auch nicht in jede Silvesterparty ideal einflechten. Ich habe mir auch allen Ernstes so kleine Zettel mit meinen guten Vorsätzen inklusive vorsorglicher Durchhalteparolen geschrieben und in den Geldbeutel gesteckt. Funktionierte trotzdem nie.

Irgendwann habe ich dann aber doch geschafft, vom einen auf den anderen Tag dem Tabakgenuss abzuschwören, meine Ernährung von ziemlich einseitig auf ziemlich ausgewogen umzustellen, regelmäßigen Sport zu einem festen Bestandteil von meinem Alltag zu machen und gute 20 Prozent von meinem Körpergewicht Speck zu verlieren. Natürlich nicht gleichzeitig, aber mit einer Gemeinsamkeit: Für alles gab es keinen bestimmten Stichtag.

Ich glaube auch fest, dass dies mein entscheidender Erfolgsfaktor war. Anstatt lange im Voraus zu planen, wann ich etwas Bestimmtes in meinem Leben ändere, habe ich es einfach dann gemacht, wenn der richtige Zeitpunkt dafür da war. Ok, das hört sich jetzt sicher ziemlich  cool an und ich muss gestehen, dass diesem „einfach dann“ in manchen Fällen ein langer Nachdenkprozess vorausging. Vor allem beim Thema Rauchen beschäftigte ich mich viele Wochen recht intensiv mit der Frage, warum ich mit dem Rauchen aufhören sollte. Der für mich ausschlaggebende Grund war dann relativ simpel: Ich rauche nicht, weil ich es so will, sondern weil ich es muss. Dazu sagt man dann wohl auch Sucht. Keine revolutionäre Erkenntnis für die Allgemeinheit aber für mich war das erschütternd. Mir ist die Kontrolle über mein Leben sehr wichtig und in diesem einen Moment wurde mir klar, dass in dieser Angelegenheit keine Kontrolle habe. Nach diesem Moment habe ich nie wieder das Verlangen nach einer Zigarette gehabt. Dieser spezielle Fall lässt sich natürlich nicht verallgemeinern (sonst hätte ich das natürlich gemacht und damit ganz viel Geld verdient).

Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn man sich etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt vornimmt, dazu aber noch nicht wirklich bereit ist, dann setzt man sich nur selbst unter Druck. Manche Menschen brachen das vielleicht und kommen mit so einer Strategie auch gut zurecht. Ich gehöre jedenfalls nicht dazu. Genauso wenig könnte ich beim Essen auf irgendetwas verzichten, nur weil ich es nicht mehr essen darf. Dennoch würden wahrscheinlich viele Leute sagen, dass ich auf sehr viele Dinge beim Essen verzichte: Fleisch, Fisch, Wurst, Zucker, Weißmehl,… Für mich ist das aber kein Verzicht, der auf Verboten basiert. Ich will viele Dinge einfach nicht essen, weil es entweder ethisch falsch finde oder es nicht in meine Vorstellung von leckerem, vollwertigen Essen passt, das mir genügend Energie für meinen aktiven Lebenswandel liefert. Nüchtern betrachtet ist das Ergebnis ist natürlich dasselbe, aber aus meinem Blickwinkel entsteht für mich kein Druck, sondern das Gegenteil: die Freiheit das zu tun, was ich will.

Soll man sich dann gar keine guten Vorsätze mehr vornehmen? Nein, sicher nicht. Aber vielleicht nicht gerade die ganz großen Dinge, die mal eben das ganze Leben auf den Kopf stellen und deren Erfolgswahrscheinlichkeit doch eher… sagen wir mal moderat ist. Dann doch lieber kleine Dinge, die man auch realistisch umsetzten kann. Das macht am Ende doch viel zufriedener, als wenn man es schon wieder nicht geschafft hat, mit dem Rauchen aufzuhören. Und nicht vergessen: Jeder Tag ist ideal, um etwas zu ändern. Man muss nur bereit dafür sein. Viele kleine Schritte bringen einen weiter, als keine großen Schritte.